Setzen, Sechs

Seminar zur Kritik der Schule

Am 11./12. Juli 2008 in Berlin

Früh morgens aufstehen - Angebrüllt werden oder verständnisvolle Lehrerinnen ertragen - Klausuren und Noten - Auswendiglernen - Sich auf Kommando sportlich betätigen - “Pubertär” oder “engagiert” genannt werden - Aufsätze über blödsinnige Fragestellungen schreiben - Ex-Linke LehrerInnen - Bleierne Langeweile – An die Tafel müssen - Auf Konstruktivität verpflichtet werden – Lehrplanwissen – Staatsbürgerkunde. Und dann sind da auch noch die Mitschüler, die all ihre Kreativität ausspielen, um dem ganzen Horror des Schulalltags noch die besondere Note zu geben.

Im Rückblick auf die Schulzeit werden diese Erfahrungen oftmals verkitscht. Nicht nur der Film `Feuerzangenbowle´ weiß um die Schönheit des SchülerInnenlebens, noch der autoritärste Lehrer und das harschste Gewalterlebnis wird als Meilenstein des früheren Glücks verklärt. Andere widersprechen bei einigen Punkten jedoch deutlich: Auswendiglernen, Frontalunterricht und autoritär Lehrende sollten durch Erziehung zur Mündigkeit ersetzt werden. Manch einer fordert den kreativen Unterricht - als Gipfel der Rebellion setzt der Pädagoge, der gerade mit Reformeifer von der Universität kommt, die Hufeisenform der Schulbänke durch. Erziehung zur Freiheit soll es sein, und dafür braucht es Lehrerinnen, die zwar all die Gepflogenheiten wie Noten und Lehrplanwissen nicht kritisieren sondern exekutieren, aber doch gleichzeitig gegen die konservativen Lehrer aufbegehren und den Liberalen raushängen lassen. Wir wollen diskutieren, inwiefern sich diese beiden Konzeptionen möglicherweise doch nicht so sehr unterscheiden. Für diese Frage wollen wir eine Folge der ‚Gilmore Girls’ oder den Film ‚Club der Toten Dichter’ anschauen.

Doch dieses Schulsystem leistet sich auch Kritikerschulen. Neben den Waldorf-Schulen haben sich auch grundlegendere Kritikerinnen an einer “neuen Schule” versucht, die aber im Gegensatz zur Waldorf-Pädagogik von den staatlichen Bildungswächtern eher mit Misstrauen betrachtet wurden und werden. Schluss mit dem “Notenterror” hatten sich diese Kritiker vor allem in den 60er und 70er Jahren auf die Fahnen geschrieben und ließen selbst die Anwesenheitspflicht beim Unterricht ruhen. Doch warum gebärdet sich ihre Verteidigung (von Summerhill bis Glocksee, von A.S. Neill bis Celestin Freinet) immer gleich als großes Dementi einer grundlegenden Schulkritik?

Das scheint kein Zufall zu sein. Wir wollen uns zusammen die Gründe näher anschauen, die diese Schulen scheitern ließen. Das führt zu der Frage, warum all die unschönen Dinge so notwendig auftauchen. Hierfür wollen wir uns gemeinsam in der Diskussion und anhand von Texten und Lehrplänen klar werden, welchen Zweck in der hiesigen Gesellschaft die Schule besitzt und wie das mit der grundlegenden Verfasstheit dieser Gesellschaft und deren Bedarf nach ausgebildeten Staatsbürgern zusammenhängt. Und warum die Schülerinnen untereinander nicht zufällig die Ellenbogen ausfahren, nicht abschreiben lassen, wild stolz auf ihre Noten sind und entlang dieser genau wissen, wer die ‚Streberin’ und wer der ‚Doofe’ der Klasse ist.

Und nicht erst seit der PISA-Studie verstärkt sich der Druck auf die Schüler und Studentinnen durch Budgetkürzungen, Schulvergleiche und Studiengebühren. Werden nun Räume ökonomisiert, die es vorher nicht waren? Wird Bildung eine Ware? Und hat das alles was mit dem oft gehörten Wort ‚Neoliberalismus’ zu tun? Was sich da wieso ändert, soll also ebenfalls diskutiert werden. Vorwissen nicht erforderlich.

Beitrag für Unterkunft, Verpflegung und Materialien 5 Euro.

Anmeldung über info@paeris.net.


Schreib einen Kommentar: