Scheitern und Zukunft des Kommunismus

Workshop-Tag des “…ums-Ganze!”-Bündnisses und des Bündnisses gegen die Wendefeierlichkeiten

Samstag, 31.10., 10.30 bis 22 Uhr, HU Berlin, Dorotheenstr. 24

[paeris] bietet in diesem Rahmen von 11 bis 14 Uhr einen Workshop zur Diskussion der “Grundprinzipien kommunistischer Produktion und Verteilung” der Gruppe Internationale Kommunisten Hollands an.

Die Assoziation freier Produzenten
Das Ziel ist klar: der Verein freier Menschen, und die konkrete Ausgestaltung der Gesellschaft wird sich aus dem historischen Prozeß ergeben. Auf den Verlauf der Geschichte zu vertrauen ist riskant angesichts der Erfahrungen des real existierenden Sozialismus, fanden die holländischen Rätekommunisten 1930. Um das Umschlagen in neuerliche Herrschaft zu vermeiden, sollte man sich Gedanken machen, nach welchen Prinzipien eine befreite Gesellschaft organisiert werden kann. Ihr Vorschlag ersetzt politische Entscheidungen durch ökonomische Sachlogik und eine radikale Selbstverwaltung der Betriebe. Können politische Entscheidungen damit tatsächlich vermieden werden, und falls ja: Ist das eigentlich wünschenswert? Oder müssen nicht immer auch politische Entscheidungen getroffen werden, so dass man sich fragen muss, innerhalb welcher Strukturen solche Entscheidungsprozesse möglichst herrschaftsfrei stattfinden können?


6 Responses to “Scheitern und Zukunft des Kommunismus”

  • Susanne von [paeris] Says:

    Es ist schade, dass unser Anliegen offenbar nicht allgemein verständlich rüberkam, das kann man uns sicher als Kritik entgegenbringen. Nicht hingegen ging es uns darum “in trauter Runde” schon mal zu diskutieren, was einem alles in der Zukunft so an Problemen begegnen könnte statt sich “auf die Analyse gesellschaftlicher Widersprüche, auf deren Aufhebung der Kommunismus drängen sollte, einzulassen.”

    Die Frage, die wir uns stellen ist vielmehr: WIE KANN diese Aufhebung von statten gehen? Wir meinen eben nicht, dass die Antwort darauf trivial ist. Wir meinen aber, dass Antworten nötig und sinnvoll sind, wenn man sicher stellen will, dass eine Befreiung auch tatsächlich eine Befreiung sein wird und nicht (im besten Fall) nur ein neuer schlechter Versuch.

    Eine Weltgesellschaft zu organisieren, stellt einen vor Probleme, z.B. wie eigentlich Beziehungen zwischen verschiedenen Regionen funktionieren können, wie Kommunikation und stofflicher Austausch geregelt sein sollen. Wer baut denn die Rohstoffe ab, die in anderen Teilen der Welt für die Produktion benötigt werden? Wie kann entschieden werden, ob meine Stadt verlegt werden soll, weil drunter Rohstoffe lagern, die lokal vielleicht gar nicht benötigt werden? Wie wird über die relative Menge der Arbeit für Krebsforschung oder über die Nutzung von Atomenergie entschieden? Wer entscheidet, an welchem Standort die europäische (oder gar welteinzige) Gummifabrik stehen soll und nach welchen Kriterien? Oder will man gar keine zentralisierte Produktion, um den Streit zu vermeiden? Welche Probleme ergeben sich aus einer (in der Linken durchaus wohlwollend betrachteten) dezentralen Organisation der Produktion?

    Die Organisation einer postkapitalistischen Gesellschaft erschöpft sich nicht in der (mittels Computertechnik relativ problemlos möglichen) Erfassung aller individuellen Bedürfnisse und dem Anwerfen der (hoffentlich weitgehend vollautomatisierten) Produktion. Dass die notwendigen Gegensätze, die das Privateigentum schafft, überwunden sind, bedeutet nicht das völlige Verschwinden verschiedener Interessen. Die Frage ist also wie diese unterschiedlichen Interessen, die durchaus auch gegensätzliche sein können, gesellschaftlich vermittelt werden können, und zwar in einer Weise, die keine neuerliche Herrschaft impliziert. Diese Frage möchte ich nicht erst am Morgen nach der Revolution geklärt wissen, sondern im Vorfeld. Nur dann gibt es hinreichend Gelegenheit, Einwände und Bedenken anzumelden und damit Gehör finden zu können. Ich möchte gern vorher wissen, ob das eine Revolution ist, bei der ich mitmachen möchte, oder die ich verhindern will.

    Im Übrigen kann und sollte solch eine Diskussion auch das Bewusstsein schärfen für die Konsequenzen bestimmter gesellschaftlicher Organisationsformen. Und dieses Bewusstsein scheint uns dringend notwendig für eine Linke, die auf die Veränderung der gesellschaftlichen Ordnung drängt und nicht nur das utopische Moment im Denken bewahrt wissen will.

  • Penner Says:

    Es ist wirklich so absurd, wenn das Problem einer kleinen komm. Gruppe, die nicht nur mit den anderen Kommunisten offenbar wenig gemein hat, sondern vor allem mit dem Großteil der bürgerlichen Menschheit, die Frage ist, wie man die Planwirtschaft organisieren könnte. Als wenn der Gegensatz zu den Leuten wirklich darin besteht, keine “Alternative” zu besitzen. Ihr habt deren Frage danach vermutlich missverstanden als Nachfrage nach einem komm. Angebot - kann das sein?

  • Susanne von [paeris] Says:

    Da es offenbar einiges Unverständnis gibt, schreiben wir noch mal einen Text mit einer ausführlichen Begründung der Idee. Daran kann man die Frage besser diskutieren, als mit vereinzelten kurzen Blogkommentaren. Wir freuen uns dann auf euer Feedback zum Text.

  • andeak Says:

    Nur dann gibt es hinreichend Gelegenheit, Einwände und Bedenken anzumelden und damit Gehör finden zu können. Ich möchte gern vorher wissen, ob das eine Revolution ist, bei der ich mitmachen möchte, oder die ich verhindern will.

    Wenn die Vermittlung der unterschiedlichen Interessen im Kommunismus im Vorfeld nicht zur Zufriedenheit von Frau Susanne von Paeris geklärt ist, dann kämpft sie halt dafür, dass es weiter Kapitalismus gibt, bis sich das geändert hat? Wenigstens mal ne ehrliche Ansage …

  • Susanne von [paeris] Says:

    Unsere ausführlichere Antwort gibt es unter folgendem Link:

    http://www.paeris.net/wie-ueber-kommunismus-reden/

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