Mär 8 2010

Veranstaltung zum Thema „Partizipative Ökonomie“ (Parecon)

18.3.2010, 19:30 bis 22:00 Uhr im New Yorck

Wie könnte eine nicht-kapitalistische Gesellschaft, in der frei Assoziierte gemeinsam über die Bedingungen ihrer Reproduktion verfügen, aussehen? Wie werden die Entscheidungen über Produktion, Verteilung und Konsum getroffen? Wie werden Pläne erstellt? Gibt es weiter Arbeitsteilung, und welche? Nach welchen Kriterien und wie werden Güter an Individuen zugeteilt?

Am zweiten Abend unserer Reihe diskutieren wir die Konzeption „partizipativer Ökonomie“ (Parecon), die Michael Albert (Autor und Politaktivist/Boston) mit Robin Hahnel (Professor für Ökonomie/Washington D.C.) entwickelt hat. Diese unterscheidet sich sowohl von der zentral gelenkten Planwirtschaft staatssozialistischer Systeme als auch von marktsozialistischen Modellen und eher technokratischen Ansätzen (etwa Paul Cockshott/Allin Cottrell). Im Gegensatz dazu steht bei Parecon die Politisierung und Demokratisierung der Ökonomie im Vordergrund.

Dieser Abend ist Teil der Reihe:

No Idea?! Eine Diskussionsreihe über Konzepte befreiter Gesellschaft

Veranstaltet von [pæris] und Plan E

Ob wir wollen oder nicht, radikale Kritik an der bestehenden Gesellschaft wird an den Resultaten des „Realsozialismus“ gemessen: an seinem herrschaftlichen Charakter und seinem ökonomischen Scheitern. Eine historische  Auseinandersetzung bleibt defensiv und eine politische Abgrenzung zweifelhaft, wenn sie sich nicht mit glaubhaften und ausstrahlungsfähigen Vorstellungen anderer gesellschaftlicher Organisation und ökonomischer Planung verbinden kann. Dafür ist es nötig, eine nüchterne und realistische Urteilsfähigkeit in Bezug auf solche Vorstellungen zu entwickeln. Unter dieser Prämisse wollen wir einige in der Linken bereits erarbeitete Vorschläge diskutieren, wie eine reproduktionsfähige Gesellschaft, in der es tatsächlich um Bedürfnisse geht, organisiert sein könnte.

Es wird jeweils ein einleitendes Referat zu einem Konzept oder einem Aspekt des Themas geben. Der Schwerpunkt soll aber nicht auf der Präsentation liegen, sondern auf der offenen Diskussion der sich ergebenden Probleme und Fragen.

Von Februar bis Juli an jedem dritten Donnerstag im Monat von 19:30 bis 22:00 Uhr im New Yorck

Mariannenplatz 2 in Kreuzberg, 10997 Berlin
(Lageplan)


Feb 13 2010

No idea?!

Eine Diskussionsreihe über Konzepte befreiter Gesellschaft
Veranstaltet von [pæris] und Plan E

Von Februar bis Juli an jedem dritten Donnerstag im Monat von 19:30 bis 22:00 Uhr im New Yorck, Mariannenplatz 2 in Kreuzberg, 10997 Berlin (Lageplan) Weiterlesen


Okt 27 2009

Scheitern und Zukunft des Kommunismus

Workshop-Tag des “…ums-Ganze!”-Bündnisses und des Bündnisses gegen die Wendefeierlichkeiten

Samstag, 31.10., 10.30 bis 22 Uhr, HU Berlin, Dorotheenstr. 24

[paeris] bietet in diesem Rahmen von 11 bis 14 Uhr einen Workshop zur Diskussion der “Grundprinzipien kommunistischer Produktion und Verteilung” der Gruppe Internationale Kommunisten Hollands an.

Die Assoziation freier Produzenten
Das Ziel ist klar: der Verein freier Menschen, und die konkrete Ausgestaltung der Gesellschaft wird sich aus dem historischen Prozeß ergeben. Auf den Verlauf der Geschichte zu vertrauen ist riskant angesichts der Erfahrungen des real existierenden Sozialismus, fanden die holländischen Rätekommunisten 1930. Um das Umschlagen in neuerliche Herrschaft zu vermeiden, sollte man sich Gedanken machen, nach welchen Prinzipien eine befreite Gesellschaft organisiert werden kann. Weiterlesen


Nov 20 2007

Sumpf Drogen

Vortrag und Diskussion zu Drogen, Politik und Genuss

Am Freitag, 14. Dezember 2007, 20.00 Uhr im Lokal (ehemals Kopierbar), Rosenthaler Straße 71 (direkt am U8-Bahnhof Rosenthaler Platz)

Die Verurteilung von Dealern geschieht manchmal nachsichtig, manchmal wie am Weinbergspark entrüstet. Einigkeit besteht jedoch weitgehend darüber, dass Drogengebrauch nicht sein soll, und der Verkauf von Drogen unmoralisch und damit zu Recht vom Staat verboten ist. Über die gefährliche Wirkung der Drogen von Abhängigkeit und körperlichem Verfall bis hin zu Beschaffungskriminalität und Tod durch Überdosierung informieren die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Kirchen und Bürgervereine. Der Einzelne wird gewarnt sich zu wappnen, und der Staat wird angerufen, um seine Bürger vor dieser Gefahr zu schützen. Weiterlesen


Okt 31 2007

Antwort

Sumpftrockenleger auf paeris.net – oder: Was passiert, wenn Zivilcourage ihre Opfer findet

Schade. Eigentlich wollten wir auf unserer Veranstaltung im Juli genau die Diskussionen führen, die jetzt in Ansätzen in Kommentaren zu unserer Einladung auftreten. Nicht, dass das schlimm wäre. Auf der Veranstaltung waren sich anscheinend alle einig, dass Drogenverbote generell keine gute Sache und erst recht keine Lösung von irgendetwas sind, sondern allenfalls einer von vielen staatlichen Wegen, die Bevölkerung zu zwingen, sich für die Steigerung des Bruttoinlandsprodukts fit zu halten. Deshalb konnten dort ganz andere wichtige Fragen andiskutiert werden, zum Beispiel die, ob es sinnvoll ist, sich der Legalisierungsbewegung anzuschließen. Zu der Frage, ob Dealer zu vertreiben eine gute Idee ist, wollen wir uns dann hier aber doch noch einmal äußern.

Das ist nämlich leider in den Kommentaren zu unserer Einladung bisher recht unzulänglich geschehen. Jens Hohmann hat ganz recht, wenn er sich beklagt, dass auf sein konkretes Problem, sich von Dealern belästigt zu fühlen, immer nur mit großen weltverbesserischen Vorschlägen geantwortet wird, insofern die ja erstmal wenig mit seinem Anliegen zu tun haben, sein Leben heute, hier und jetzt, zu verschönern. Auch der Kommentar von Toleranz, dass er oder sie das Problem nicht kenne, ändert nichts, wenn es anderen nun mal aufstößt. Dass sich Menschen belästigt fühlen, muss man erst einmal anerkennen und kann nicht einfach sagen, es gebe keinen Grund, sich belästigt zu fühlen. Ob das Belästigungsempfinden aber aus der Natur der angeblichen Belästigung oder eher aus reflexionsbedürftigen (Vor-)Urteilen entspringt, und welche politischen Konsequenzen man also daraus zieht, das ist die nächste Frage, und der wollen wir uns widmen.

Zunächst kommen die kämpferischen Kommentare immer sehr moralisch daher. Kaum einer der männlichen Kommentatoren kann die Dealer selber nicht ertragen, alle kämpfen für ihre Freundinnen und Kinder. Wenn man von diesem unangenehm paternalistischen Gestus absieht, bekommt der Kampf vielleicht oberflächlich betrachtet einen menschenfreundlichen Zug: die Leute im Kiez vor Belästigung zu schützen. Aber dann haben sie anscheinend gar nichts dagegen, wenn das, was sie heute als ihr Problem ansehen, morgen andere haben. „Wenn das Problem vor meiner Nase ist, will ich, dass es woanders hin geschoben wird“, beschreibt ein Kommentar von classless diese Haltung. „Ich bin hier zuhause und das Pack im Weinbergspark kam erst viele Jahre später“, begründet schließlich Jens Hohmann in diesem Sinne mit einem seltsamen Begriff von Gewohnheitsrecht seinen Anspruch. Nichts spricht dagegen, sich um sich und sein Wohlbefinden Gedanken zu machen, aber man ist eben nicht auf der moralisch besseren Seite, wenn man seine Probleme dafür anderen zuschiebt.

Nun könnte man denen, die sich da engagieren, freundlich unterstellen, dass sie dies im Hinterkopf hätten, und wenn sich überall die Leute engagierten und vor ihrer Haustür kehrten, dann gäbe es das Problem nirgendwo mehr. Das fänden wir ebenfalls nicht schön, (warum steht unten), wir glauben aber auch, dass es nicht funktionieren würde. In manchen Stadtteilen haben die Menschen z.B. einfach weniger Zeit haben, sich in bürgerschaftlichem Schnickschnack zu ergehen, weil sie von morgens bis abends um ihr Auskommen kämpfen müssen. Wird das Problem jedoch nur örtlich verschoben, könnte man sich fragen, ob das „Dealer raus!“ nicht eigentlich ein Aufruf zur Ghettoisierung ist. Und weil der Staat mit seinem Gewaltapparat ein notwendiges Mittel zur Durchsetzung dieser Vertreibung wäre bzw. ist, sagen wir auch, dass schon genug Gewalt überall ist, und dass wir keine Lust haben, uns noch mehr Kameras, Polizeistreifen und drohenden Blicken von Zivilcouragierten ausgesetzt zu sehen. „Inwieweit wirken Parks durch Appelle zur wechselseitigen Beobachtung, durch tägliche Razzien und drohende Schilder an Gaststätteneingängen beruhigender?“, haben wir in der Einladung gefragt, und darauf hat in den Kommentaren noch niemand geantwortet. Uns macht jedenfalls systematische Überwachung auch ganz schön viel Angst. Und ohne eine krasse Überwachung ist eine konsequente Vertreibung von Dealern nicht zu haben.

Das Problem ist damit natürlich nicht gelöst, sondern im Gegenteil verschärft. Wenn wir sagen, dass die bürgerschaftliche Initiative zu nichts Gutem führt, dann haben wir andersherum für Menschen, die sich belästigt fühlen, oder die belästigt werden, nichts anzubieten außer: “Stimmt, das kann nerven. Aber damit muss man wohl oder übel umgehen.” Bei jedem “verdammten Call Center Heini oder Werbezettelverteiler” (jens hohmann) geht man ja auch damit um, und wie jens hohmann betont, wimmelt man die halt “rigoros ab”, wenn man von denen nicht angesprochen werden mag. Diesen Umgang gibt es bei Dealern aber offenbar gerade nicht, sondern da soll es eine Kampagne sein, die ihnen von vornherein verbietet, Leute anzusprechen. Bei Werbezettelverteilern würde das niemandem in den Sinn kommen, und die Albernheit des Anliegens wäre leicht erkennbar. Die Produzenten sollen ihre Waren schließlich verkaufen können, und wenn das mit Werbung besser geht, dann gilt das als legitimes Mittel, und ja, manchmal fühlt man sich davon eben auch belästigt. Nicht so bei Drogen. Denn die sollen ja auch gar nicht hergestellt und verkauft werden, weil sie abhängig machen und den Menschen schaden (yasirgür). (Dazu sei auf den Vortrag von Lambert verwiesen, der einige Vorurteile zur Wirkung von Drogen gerade rückt.) Wenn Menschen, obwohl sie das wissen, dennoch ein Interesse haben bestimmte Drogen zu konsumieren, geht das aber eigentlich auch niemanden etwas an. Aber unbenommen ist: Sie können süchtig machen, und sie können Menschen schädigen. Freilich gilt das in gleichem Maße für Alkohol, dessen Lieferanten keineswegs aus dem Park vertrieben werden sollen, und genauso für Zigaretten, wie yasirgür in unserem Blog seinen Einsatz für die Dealervertreibung recht eigentlich begründet. Da können wir also in mehrfacher Hinsicht doppelte Maßstäbe feststellen, und dann doch noch mal fragen, was genau der Grund des einhelligen Einsatzes für die Dealervertreibung ist. Dass Menschen ein Interesse daran haben, nicht belästigt und schon gar nicht sexistisch angemacht zu werden, ist nachvollziehbar – die Frage ist nur, wie viel diese Anmache mit der verkauften Ware zu tun hat, und welche Mittel dagegen geeignet und wünschenswert sind.

Vielleicht fragt ihr Euch jetzt, warum wir das Ganze dann überhaupt zum Thema machen, wenn wir doch nichts anzubieten haben. Ist das Ganze wie Jens Hohmann sagt nur „hochgestochener Mist“? Wir meinen nicht, weil wir nämlich zumindest eine Antwort haben: Ihr zieht in Eurer Wut die falschen Schlüsse. Denn zunächst mal gibt es Menschen, die Drogen konsumieren wollen, und Dealer bedienen diese Nachfrage. Die Bedingungen, unter denen sie dies tun, sind weitgehend durch das staatliche Drogenverbot vorgegeben. Dealer verkaufen Drogen in Parks und U-Bahnhöfen, lieber Durchreisender, weil sie kein Drogengeschäft mit einem Schild davor in der Brunnenstraße eröffnen dürfen. Und deshalb müssen sie die Menschen auch leise ansprechen, denn sie dürfen nicht laut rufen, dass es bei ihnen Drogen gibt. Dass man dabei auch manchmal aggressiv oder sexistisch angemacht wird, ist sehr ärgerlich, hat jedoch überhaupt nichts mit ihrem Beruf als Dealer zu tun. (Vielmehr kommt das in dieser Gesellschaft leider verdammt häufig vor.) Wenn sie eine bessere Einkommensquelle wüssten, würden viele Dealer vermutlich gern darauf verzichten, sich regelmäßigen Polizeirazzien und Bürgerbeschimpfungen auszusetzen.

Wenn also die Idee der Initiative ist, die Dealer seien schuld, und dagegen der Staat angerufen wird, oder die Bürgerschaft das Problem selbst in die Hand nimmt und gegen die mutmaßlichen Schuldigen vorgeht, dann würden wir dem gern Einhalt gebieten. Dabei bleibt uns nichts übrig, als darzustellen, dass die staatliche Politik, die so gern angerufen wird, gerade das Problem ist. Wenn Leute in diesem Bewusstsein irgendwelche Initiativen starten würden, dann sähen die ganz anders aus. Die Wut würde nicht an Dealern, Call-Center-Angestellten oder Zeitungsverkäufern ausgelassen, sondern im besten Fall dazu führen, dass man sich organisiert, die Ursachen dieser Erscheinungen zu überwinden. Ob das dann Legalisierung von Drogen oder Abschaffung von Herrschaft bedeutet, darüber müsste man anderswo streiten. Dass eine Lösung in so weiter Ferne liegt, und die Probleme deshalb bleiben, finden wir so traurig wie die Weinbergsparkinitiative. Die falsche Kanalisierung der Wut dagegen ärgert uns sehr.


Jun 14 2007

Veranstaltung

Weinbergspark I

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