Sumpf Drogen

Vortrag und Diskussion zu Drogen, Politik und Genuss

Am Freitag, 14. Dezember 2007, 20.00 Uhr im Lokal (ehemals Kopierbar), Rosenthaler Straße 71 (direkt am U8-Bahnhof Rosenthaler Platz)

Die Verurteilung von Dealern geschieht manchmal nachsichtig, manchmal wie am Weinbergspark entrüstet. Einigkeit besteht jedoch weitgehend darüber, dass Drogengebrauch nicht sein soll, und der Verkauf von Drogen unmoralisch und damit zu Recht vom Staat verboten ist. Über die gefährliche Wirkung der Drogen von Abhängigkeit und körperlichem Verfall bis hin zu Beschaffungskriminalität und Tod durch Überdosierung informieren die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Kirchen und Bürgervereine. Der Einzelne wird gewarnt sich zu wappnen, und der Staat wird angerufen, um seine Bürger vor dieser Gefahr zu schützen. Dabei zeigt ein genauerer Blick, dass viel von dem Übel, was als Folge bestimmter Formen des Drogenkonsums gesehen wird, keineswegs eine Wirkung der verbotenen Substanzen selbst, sondern vielmehr ein Ergebnis genau des Drogenverbots ist. Die Drogenpolitik schafft erst jenes Leiden, was mit Hilfe genau dieser Politik vermeintlich bekämpft wird.

Allerdings gilt nicht nur der Verkauf von Drogen als unmoralisch, sondern auch schon der Genuss derselben. Manche Leute konsumieren jedoch gerne Drogen. Offenbar bringt ihnen das irgendeine Form von Lustgewinn. Und gegen Genuss kann man doch erstmal nichts haben, angeblich soll es doch genau um das Wohl von Menschen gehen. Geht es auch, sagen Drogengegner, aber wenn schon um ehrlichen, reinen Genuss statt künstlich erzeugtem, der noch dazu abhängig machen kann. Das wendet man bei Opiaten und Co. ein, nicht aber bei Bordeaux. Vor diesem Hintergrund scheint es bei Drogenpolitik weniger darum zu gehen, Menschenleben zu retten als Genuss zu reglementieren. Denn erlaubt und verboten sind Genüsse und nicht Substanzen (Für bestimmte medizinische Anwendungen sind Opiate z.B. durchaus legal verfügbar.) Und die meisten Bürger begrüßen diese staatliche Verfügung bereitwillig als ihren eigenen Willen (oder als zu ihrem eigenen Besten gegen ihren manchmal zu schwachen Willen), statt drauf zu bestehen, als erwachsene Menschen doch wohl selbst entscheiden zu können, welchen Genüssen man sich hingeben will.

Das Verhältnis von Drogen, Elend, staatlicher Politik und wie sich Menschen dazu stellen, wollen wir auf dieser Veranstaltung gern mit Euch diskutieren.

Es referieren:
Dr. Nicole Krumdiek, Juristin, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Bremen, zum Verhältnis von Drogenelend und Drogenpolitik;
Felix Jourdan
, freischaffender Drogenexperte, zur Wahrnehmung des Drogenproblems in der Öffentlichkeit;
ein Vertreter der Gruppe [paeris] zu gesundheitpolitischen Vorstellungen und gesundheitspolitischer Praxis.


4 Responses to “Sumpf Drogen”

  • mad Says:

    das klingt interessant, wird es vielleicht einen mitschnitt für leute geben, die nicht aus berlin kommen? wäre grandios, oder folgt von euch dazu bald mehr?

  • Oliver von [pærɪs] Says:

    Nee, Mitschnitt wirds nicht geben. Wir wollen aber aus den Referaten Texte machen, die entweder direkt hier veröffentlicht werden, oder woanders, und dann hier verlinkt. Also: Mal wieder auf unsere Seite zu schauen lohnt sich :-)

  • mad Says:

    das ist schön, warte gespannt… :-)

  • Julia von [paeris] Says:

    So, unser Vortrag ist jetzt ganz vorn auf der Webseite.

Schreib einen Kommentar: