Mär 14 2009

Helden in glänzenden Rüstungen und die Wirklichkeit

Warum Ideologiekritik nicht heißt, das Nicht-Wissen der Massen durch Wissen zu ersetzen

Dieser Text wurde ursprünglich in der Phase 2 Nr.28/2008 veröffentlicht:

In klügeren Teilen der Linken, die nicht im kompromissgewillten Bemühen um das kleinere Übel ihre Position nach und nach der Realität unterwerfen, ist der Typus des Kritikers weit verbreitet, dem das Erstaunliche gelingt, weder theoretisch noch praktisch zu sein. Theorie ist für sich nicht praktisch. Deshalb ist der Kritiker kein Theoretiker. Die Praxis aber ist gegenwärtig verstellt. Das hat der Kritiker bei Adorno gelesen und sicherlich zumeist in einer heißspornigen Jugend bitter am eigenen Leib erfahren müssen. Deshalb ist er kein Praktiker. Weder Praxis noch Theorie, also gar nichts? Was sich für denjenigen, der dieses Verhältnis reflektiert, als Dilemma darstellt, ist für den Kritiker längst keines mehr, denn er ist über die Phase der Reflexion hinaus und hat das Dilemma in einer feinsinnigen Unterscheidung aufgehoben: Ein “materialistischer Begriff des Materialismus”, den der Kritiker für die Lösung hält, kann sich nicht “in der Form der Theorie bewegen, da dieser die praktische Konsequenz stets nur äußerlich hinzutreten kann, sondern muss Kritik sein.”(1) Denn: “Die Dichotomie von Theorie und Praxis kann aufgelöst werden im Begriff der Kritik.”(2) Zudem ist die Kritik erfolgversprechend: “Sollte dann jemand von der anderen Seite desertieren hin zur rücksichtslosen Kritik alles Bestehenden, so wurde das Ziel erreicht.”(3) Der rücksichtslose Kritiker entdeckt ein Positives im Negativen. Kritik taugt so zur Ersatzbefriedigung, ansonsten ist kaum etwas gewonnen, wenn alle drei Jahre jemand die Seiten wechselt. Weiterlesen