Mai 10 2008

Alles für die Volksgesundheit

Warum die moderne Drogenpolitik an ihrem Produkt, dem Drogenelend, nichts auzusetzen hat – und die moderne Legalisierungsbewegung nichts an den Zielen dieser Politik.

Dieser Text ist die Niederschrift des Vortrags bei unserer Veranstaltung “Sumpf Drogen” am 14. Dezember 2007. Dieser und die beiden anderen Vorträge der Veranstaltung erschienen leicht gekürzt als Dossier in der Jungle World Nr. 17 vom 24. April 2008.

Das Phänomen “Offene Drogenszene”

Die “offene Drogenszene” mit den typischen Erscheinungsformen von Gebrauch und Handel mit Drogen stellt nur einen vergleichsweise kleinen Bereich des Umgangs mit verbotenen Stoffen dar. Konsumenten kommen bei vielen verschiedenen Gelegenheiten mit Stoffen wie Heroin, Koks oder Ecstacy in Berührung; Handel und Konsum findet in weiten Teilen sozial “unsichtbar” statt, d.h. Außenstehenden fällt da zunächst nicht viel auf. Ganz zu schweigen natürlich davon, daß Drogenabhängigkeit, körperliche Probleme aufgrund von Drogengebrauch etc. in den allermeisten Fällen überhaupt nichts mit verbotenen Substanzen zu tun haben - sondern mit Schmerz- und Schlafmitteln, Alkohol und Zigarettentabak etc.
Daß eine “offene Drogenszene” wie diejenige am Weinbergspark daher nur eine zum Großproblem erklärte “Eisbergspitze” ist, wäre das eine. Eine andere Frage ist aber, was denn nun das Typische an dieser Eisbergspitze ist.

Wer hier Drogen kauft ist ein typischerweise unterprivilegierter Dorgenbenutzer. Zunächst einmal bekommt er die Substanzen, die er will, nicht wie viele andere in einem für ihn einigermaßen kalkulierbaren, geschütztem Umfeld, möglicherweise direkt vermittelt durch andere User aus seinem direkten sozialen Umfeld (eine sehr häufige Form, in der die Endbenutzer von Drogen an die Mittel gelangen), sondern er nimmt die diversen Risiken der Besorgung auf offener Straße in Kauf. Weiterlesen